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Im Blog von Peter und Ursula Schäublin berichten wir von Aktualitäten rund um unser Grafikatelier 720 Grad, über Fotografie und Film, Kajaken und weitere Aktivitäten.

Sony A7 _ Testbericht


Testbericht über die kleineste Kamera mit Vollformatsensor, die im Gegensatz zur Sony A7R aber «nur» 24 Megapixel Auflösung bietet // verfasst im Auftrag von fotointern.ch, der grössten Webplattform für Fotografie in der Schweiz


Die kleinere Schwester ist ganz schön fix


Die beiden Geschwister Sony A7R und A7 sind so beliebt, dass es einige Wochen dauerte, bis eine A7 zur Verfügung stand. Die Sony A7R habe ich bereits getestet. Lesen Sie dazu den separaten Bericht.

Ich erwartete die A7 sehnlichst, weil ich sehr gespannt war, ob sie die von mir gewünschten Attribute – schnellerer Autofokus und leiseres Auslösegeräusch als die A7R – aufweist.


Autofokus

«Yes, that‘s much better», ging es mir durch den Kopf, als ich mit der A7 auf eine erste kleine Pirsch ging. Luna durfte wieder als Model hinhalten. Der Autofokus der A7 arbeitet meines Erachtens deutlich präziser und schneller als derjenige der A7R, ganz wie es sich für eine Reportagekamera gehört. Es ist schwierig für mich, den Autofokus der A7 mit demjenigen der EOS 5D MkIII zu vergleichen. Mit letzterer arbeite ich so oft, dass sie eine Art verlängerter Arm von mir ist. Alles geht intuitiv und blitzschnell. Ich denke, mit der A7 käme ich nach relativ kurzer Zeit auf einen ähnlichen Level.

Lazy Luna
Sony A7 mit Zeiss 1.8/55mm, 1/80 Sek, f 5.6, 1000 ISO

(für eine vergrösserte Ansicht auf das Bild klicken – gilt für alle Bilder in diesem Artikel)


Die Auslöseverzögerung ist bei der Spiegelreflexkamera noch etwas geringer, aber die A7 und die A7R haben deutlich weniger Verzögerung, als man es sich von Kompaktkameras bisher gewohnt war. Ich habe mich beim Arbeiten bezüglich Auslöseverzögerung nie handicapiert gefühlt, habe aber während dem Test auch keine extrem schnellen Szenerien wie z.B. Sportevents abgelichtet – wobei Sportfotografie sicher nicht die «Kernkompetenz» der beiden A7-Schwestern ist. 

Der Autofokus der A7 arbeitet meines Erachtens deutlich präziser und schneller als derjenige der A7R, ganz wie es sich für eine Reportagekamera gehört.

Ich habe wieder mit dem 1.8/55er von Zeiss und neu auch mit dem 28–70er Kitobjektiv gearbeitet. Letzteres ist gar nicht so schlecht, aber die Festbrennweite ist natürlich einen Zacken schärfer. Mehr Gedanken dazu im «Fazit».


Auslösegeräusch

Der Verschlussvorgang ist bei der A7 etwas leiser als bei der A7R, doch im Vergleich zu einer Kompaktkamera wie z.B. der Canon Powershot G1X, meinem fotografischen Notizbuch, ist es immer noch ein Getöse. Ein Freund von mir, der gerade vorbeikam, als ich am Testen war, hatte richtig Freude an dem Auslösegeräusch. Bei ihm weckte es nostalgische Erinnerungen an frühere analoge Kameras. Für eine Reportagekamera wünsche ich mir aber einen möglichst leisen Auslösevorgang. Immer noch lebhaft in Erinnerung – allerdings aus analogen Zeiten – ist mir eine sehr peinliche Aufnahmesituation: Ich fotografierte an einem Kongress von Pfarrern, und die Herren neigten gerade ihr Haupt zum Gebet. Ich stand etwas abseits auf einem Stuhl und wollte ein Bild von der andächtigen Runde machen. Zuerst klackte es ziemlich laut, was schon störend war, aber dummerweise war es auch gerade noch das letzte Bild des Films, und meine Canon T90 spulte den Film mit grausamem und – gefühlt – nicht endendem Geräusch zurück. Die Herren schauten mich alle von verdutzt bis strafend an, und ich stieg mit hochrotem Kopf schleunigst von meinem Stuhl und verliess den Saal ... Also: Wenn Sony das Auslösegeräusch noch verringern kann, wäre das super. Das mit dem Filmrückspulgeräusch hat sich ja unterdessen erledigt ;-).


Nostalgie mit Objektivadaptern

Novoflex und andere Marken bieten ja für fast alle Objektive einen Adapter an, damit man seine neueren oder älteren «Lieblingsscherben» an die A7 und die A7R montieren kann. Natürlich wollte ich das auch mit meinem Canon EF 1.2/85mm ausprobieren. Wie dumm habe ich dann aus der Wäsche geguckt, als ich gemerkt habe, dass erstens der manuelle Fokus beim 1.2/85mm nur an einer Canon-EOS-Kamera funktioniert und zweitens ich wegen dem fehlenden Blendenring am Objektiv nur mit voll offener Blende fotografieren kann.

Es ist ein absolut reizvoller Gedanke, das kleine Sony-Energiepaket mit interessanten Linsen zu kombinieren.

Denn logischerweise werden keine Daten von diesen Fremdobjektiven an die Kamera übermittelt. Es ist aber ein absolut reizvoller Gedanke, das kleine Sony-Energiepaket mit interessanten Linsen zu kombinieren. Paul Marbrook zeigt auf seinem Blog Bilder, die er mit dem alten Canon FD f0.95/50 mm realisiert hat. Das Bokeh des f0.95/50mm ist – im positiven Sinn – sehr speziell. Steve Huff hat mit diversen Leica- und Zeiss-Objektiven an der A7 und der A7R experimentiert und war von den Ergebnissen sehr angetan.

Markus Scharnowski, ein Bekannter von mir, hat es schlauer als ich angestellt: Er hat sich ein betagtes Canon FD 50mm 1.4 SSC organisiert, das aus einer Zeit stammt, in der man Blende und Entfernung noch am Objektiv einstellen konnte. Mit dem entsprechenden Adapter hat er die Linse an seine A7 montiert. Hier seine ersten Eindrücke, die er spontan formuliert hat: «Das Objektiv macht die A7 zwar deutlich schwerer, gibt ihr aber einen etwas edleren und noch mehr retro-ähnlichen Touch. Mit dem Fotga-Adapterring FD-NEX sitzt das Objektiv tadellos fest und macht einen stabilen Eindruck. Die maximale Blende von 1.4 verleitet geradezu zu Detailaufnahmen mit starkem Bokeh – was in der Regel auch sehr gut gelingt. Die Bildschärfe ist gut, wenn auch auf den ersten Blick (oder beim ersten Versuch) nicht so spektakulär, wie in den Tests beschrieben. Ein exaktes Fokussieren stellt sich trotz sehr hilfreichem Fokuspeaking der A7 als nicht ganz einfach heraus: Besonders mit Blende 1.4 und vielen Details in verschiedener Distanz im Bild fordert ein scharfes Bild absolute Millimeterarbeit mit dem stattlichen Fokusring. Bei einer Blende von 4.0 oder mehr erübrigt sich aufgrund der grösseren Schärfentiefe dieses Problem, wodurch gestochen scharfe Bilder produziert werden.»

Windrad, von Markus Scharnowski realisiert:
Sony A7 mit Canon FD 1.4/50mm SSC, 1/8000 Sek., f 1.4, 100 ISO

Bundeshaus Bern, ebenfalls von Markus Scharnowski:
Sony A7 mit Canon FD 1.4/50mm SSC, 1/160 Sek., f 1.4, 3200 ISO


Filmen

Ich habe ein paar kleine Clips mit der A7 und auch mit der A7R realisiert. Dank dem kompakten Gehäuse geht das sehr gut. Der Autofokus der A7 stellt die Schärfe beim Filmen schön nach, aber mit etwas Verzögerung. Deshalb habe ich die Zacutolupe von Light&Byte hinten angesetzt und die Schärfe manuell gezogen. Das geht grossartig und macht viel Freude. In den technischen Daten lese ich zudem, dass man mit 60fps (60i) filmen kann. Das ist toll. Ich kam nicht mehr dazu, dies zu testen.


34 Mpx vs 24 Mpx

Da die A7R immer noch bei mir war, musste ich natürlich den Unterschied in der Auflösung einem Praxistest unterziehen. Dazu habe ich ein Stück eines Hemdes mit tückischem Karomuster fotografiert, und zwar mit beiden Kameras ab Stativ.

Die Bilder der A7R sind noch einen Tick schärfer, doch die A7 schlägt sich trotz rund 20% weniger Megapixel so herausragend, dass ich behaupte, dass bei 99% aller fotografischen Anwendungen das Plus an Auflösung gar nicht zum Tragen kommt. 

Aufgeschraubt war das Zeiss 1.8/55 mm. Ich habe je ein Bild mit 100 ISO, 1/13 sec., f8 und je eines mit 1600 ISO, 1/200 sec, f8, realisiert. Für beste Qualität habe ich die Bilder im RAW-Modus fotografiert und im Photoshop CC als 16-bit-Files geöffnet. Ich habe im File, das ich mit der A7R erzeugt habe, als zweite Ebene das Foto von der A7 eingefügt und es so vergrössert (122.66%), dass der Ausschnitt identisch mit dem Bild der A7R ist. Die kritische Analyse auf dem Eizo-Monitor ergab folgendes: Die Bilder der A7R sind noch einen Tick schärfer, doch die A7 schlägt sich trotz rund 20% weniger Megapixel so herausragend, dass ich behaupte, dass bei 99% aller fotografischen Anwendungen das Plus an Auflösung gar nicht zum Tragen kommt. 

links: Sony A7R mit 1.8 55mm, 1/13 sec, f8, 100 ISO, Stativ, 1:1 Ausschnitt
rechts: Sony A7 mit 1.8 55mm, 1/13 sec, f8, 100 ISO, Stativ, Ausschnitt gleich wie A7R (122.66%)

links: Sony A7R mit 1.8 55mm, 1/13 sec, f8, 1600 ISO, Stativ, 1:1 Ausschnitt
rechts: Sony A7 mit 1.8 55mm, 1/13 sec, f8, 1600 ISO, Stativ, Ausschnitt gleich wie A7R (122.66%)


Fazit

Die beiden Sony-Schwestern setzen eine neue Benchmark. Mich persönlich hat die Sony A7 hat mit ihrem schnelleren Autofokus und dem etwas leiseren Auslösegeräusch mehr überzeugt. Das Plus an Auflösung der A7R ist meines Erachtens in praktisch allen Fällen vernachlässigbar. Wer die A7 kauft, spart gegenüber der A7R rund 700 Franken. Man könnte ja die A7 ohne Kitzoom kaufen und das gesparte Geld ins 1.8/55mm investieren oder den Batzen ins Sparschwein legen als Grundstock für das teurere und bessere Zoom, das Zeiss Vario-Tessar F4 24–70mm, um dann gleich zuzuschlagen, wenn die Linse auf den Markt kommt. Wenn noch weitere lichtstarke Hochqualitätsobjektive für die A7-Geschwister folgen, wird die Versuchung immer grösser, das kleine Powerpaket anzuschaffen.