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Im Blog von Peter und Ursula Schäublin berichten wir von Aktualitäten rund um unser Grafikatelier 720 Grad, über Fotografie und Film, Kajaken und weitere Aktivitäten.

So klein und schon 4K ...


Testbericht über die Panasonic Lumix GH4 // verfasst im Auftrag von fotointern.ch, der grössten Webplattform für Fotografie in der Schweiz


Mit der Panasonic GH4 in Indien unterwegs

 Sie wirkt bullig und irgendwie wie zum Sprung bereit: Die Panasonic GH4, in deren kleinem Gehäuse unheimlich viel steckt

Sie wirkt bullig und irgendwie wie zum Sprung bereit: Die Panasonic GH4, in deren kleinem Gehäuse unheimlich viel steckt


So klein und schon 4K – das war mein Eindruck, als ich die GH4 zum ersten Mal live sah. Die Kamera wirkt sehr bullig und weit davon entfernt, eine Schicki-Micki-Eleganz-Handtaschenkamera zu sein. Doch das will sie gar nicht. Sie will mit ihren inneren Werten überzeugen. In dem kleinen Gehäuse steckt so viel High Tech, dass es beinahe unheimlich ist. 

Doch der Reihe nach: Meine Frau Ursula und ich engagieren uns seit längerer Zeit für das Waisenhaus Salem Home in Indien, und irgendwann entstand die Idee, einen Film darüber zu drehen. Knappe Zeit, teilweise herausfordernde Bedingungen zum Drehen: Von Anfang an war klar, dass wir möglichst kleines und einfach zu bedienendes Equipment benötigen würden. Ich komme auch mehr aus der Foto- als aus der Filmwelt und suchte deshalb eine kompakte Kamera, die einfach zu bedienen ist und dennoch sehr gute Filmresultate liefert. Die GH4 mit einigen Objektiven war unsere Wunschausrüstung, und Panasonic und die Perrot AG haben uns grosszügigerweise für dieses Non-Profit-Projekt zwei GH4 und einige sehr interessante Linsen zur Verfügung gestellt.


Beim Fluggepäck fängt’s an

Wer des öfteren mit dem Flugzeug unterwegs ist, hat sicher auch festgestellt, dass die Toleranz bei Gewichtsüberschreitungen immer kleiner wird. Eine DSLR-Ausrüstung mit zwei Gehäusen und ein paar Objektiven kann oft nicht mehr in einem Handgepäckstück transportiert werden, weil die 8-Kilogramm-Grenze überschritten wird. Ganz anders die GH4: Wegen des kleineren Sensors kommt die Ausrüstung locker im Handgepäck unter. Wir starten unsere Reise in Zürich und fliegen über Delhi nach Viayawada, eine Zweimillionenstadt an Indiens Ostküste.


Die Gebrauchsanweisung ist fast schwerer als die Kamera ...

Das ist natürlich masslos übertrieben, aber die GH4 hat so viele Funktionen, dass das Studium der Gebrauchsanweisung etwas länger dauern kann. Ich bin relativ pragmatisch vorgegangen und habe mich mit denjenigen Funktionen vertraut gemacht, die ich nutzen wollte. Es gibt WiFi-Funktionen, zehn (!) Knöpfe, die man mit Individual­funktionen belegen kann und vieles mehr, das ich nicht genutzt habe. Man möge mir verzeihen. Panasonic hat mich sogar darauf aufmerksam gemacht, dass man den Screen auf Wunsch auf schwarzweiss umstellen kann. Wer länger und intensiver mit der GH4 arbeitet, kann die Kamera also richtig «customizen» und sie auf individuelle Bedürfnisse zuschneiden. 

Ich nehme die GH4 in die Hand und stelle fest, dass sie sehr gut in der Hand liegt. Sie ist gegen Spritzwasser abgedichtet und daher für Einsätze aller Art geeignet. Mein Fokus liegt für dieses Projekt auf dem Filmen in 4K, aber ich möchte auch das eine oder andere Foto realisieren können. Gelingt der GH4 der Spagat zwischen Filmen und Fotografieren? Starten wir mit der Filmfunktion: Ich aktiviere die Fokus-Peaking-Funktion und das Zebramuster (von dem es übrigens zwei verschiedene Varianten gibt). Das Fokussieren über den Touchscreen funktioniert ganz prächtig: Ich tippe mit dem Finger da auf den Screen, wo ich die Schärfe haben möchte, und die Kamera fokussiert entsprechend. Das funktioniert fürs Filmen und fürs Fotografieren. Ich finde diese Funktion grandios gut und wünschte mir, dass meine DSLR das auch könnte. Kann sie aber nicht. Sie hat auch kein schwenkbares Display wie die GH4. Dank diesem lassen sich auch ausgefallenere Perspektiven sehr gut realisieren. 

Natürlich – und das wissen alle, die mit einer DSLR oder einer DSLM filmen – kommt der Autofokus irgendwann an seine Grenzen. Das Objekt bewegt sich, und bei selektiver Schärfe ist das Motiv sehr schnell nicht mehr im Autofokus, sondern out of focus. Ich setze deshalb eine Zacuto-Lupe an und fokussiere manuell. Mit der Fokus-Peaking-Anzeige funktionert das wunderbar. Der Autofokus sei im 4K-Modus nicht so schnell wie im HD-Filmmodus, lese ich in Berichten, doch das stört mich eben gar nicht, da ich Belichtung und Schärfe manuell einstelle. Für den Ton habe ich ein kleines externes Sennheiser Mikrofon montiert. Zusammen mit einem leistungsfähigen Objektiv wie beispielsweise dem Leica DG Summilux 25 mm / 1.4 ASPH ergibt sich ein Mini-4K-Powerpaket.


Bild oben: Das Mini-4K-Powerpaket: Die GH4 mit dem Leica DG Summilux 25 mm / 1.4 ASPH, externem Mikrofon und angesetzter Zacuto-Lupe.
Mit dieser Kombination lässt sich die Schärfe auch sehr schön manuell ziehen, wie der nachfolgende Clipausschnitt zeigt:


Teil eines grossen Systems

Dank der Einbettung ins Micro Four Third System gibt es für die GH4 eine Menge Objektive. Mit Adpatern können sogar DSLR- und PL-Mount-Cinema-Objektive angesetzt werden. Mit der Video Interface Unit hat Panasonic selbst noch eine Schnittstelle zu externen Recordern und XLR-Mikrofonen geschaffen. Damit ist 4:2:2 Aufzeichnung mit 10bit (sonst nur 8bit) möglich. Panasonic Deutschland hat uns freundlicherweise diese Unit zur Verfügung gestellt, doch wir mussten dann konstatieren, dass sie auf eine externe Netzstromversorgung ausgelegt ist, und diese war bei unseren Drehs in Indien fast nie verfügbar. Deshalb haben wir uns schweren Herzens entschlossen, die Video Interface Unit zuhause zu lassen. Doch diese Einbettung zeigt klar, dass Panasonic mit der GH4 darauf zielt, auch semiprofessionellen und professionellen Filmern eine kompakte Kamera mit sehr hoher Filmqualität zur Verfügung zu stellen.


Resultate

Wir filmen an vielen Plätzen, indoor, outdoor, in der Stadt, auf dem Feld. Die beiden GH4 arbeiten immer klaglos. Ich bin mit den Resultaten sehr zufrieden. Die Kamera tendiert meines Erachtens etwas zu starken Kontrasten, aber dies kann man sicher irgendwo in einer Einstellung seinem Geschmack anpassen. Auch in höheren ISO-Bereichen werden die Filmaufnahmen sehr ansprechend. In einem Slum arbeiten wir mit wenig Licht bei 3200 und 6400 ISO. Die Filmaufnahmen gelingen. Zwischendurch fotografieren wir mit denselben Werten und müssen feststellen, dass im Stillbereich nicht ganz so viel geht wie im Videobereich. Die Aufnahmen mit so hohen ISO-Werten weisen ein starkes Bildrauschen auf. Hier kommt der Micro Four Third Sensor an seine Grenzen. Doch Panasonic bietet einige hochlichtstarke optische Leckerbissen wie beispielsweise das Leica DG Nocticron 42.5 mm / 1.2 ASPH an. Mit diesen Objektiven lassen sich die hohen ISO-Einstellungen teilweise umgehen, und die Leica-Festbrennweiten sind so oder so hervorragende Objektive zur GH4. Was Autofokus- und Aufnahmegeschwindigkeit betrifft, punktet die GH4 im Fotobereich: Die Scharfstellung erfolgt ultraschnell, und wer trotz 12 Bildern pro Sekunde den optimalen Moment verpasst, ist selbst schuld. In ISO-Bereichen von 1600 oder tiefer liefert die GH4 exzellente Resultate, die sogar meine Vollformat-DSLR grün vor Neid werden liessen (was wäre, wenn Panasonic diese Qualität auf einem Vollformatsensor mit > 30 Mpx bringen würde? Doch dann müssten auch wieder hervorragende Objektive her. Von Leica? Ich wäre dabei ...;-)). Mit guten Objektiven liefert die GH4 nuancierte Fotos, die sich in Photoshop exzellent optimieren lassen. Gerade das Schärfungspotenzial ist beträchtlich: Ich kann die Bilder richtig «crispy» machen, ohne dass es anfängt zu rieseln.


Filmen mit hohen ISO-Werten geht sehr gut. Hier ein paar Impressionen:

Beim Fotografieren mit hohen ISO-Werten (ab 3200 ISO) kommt die GH4 an ihre Grenzen.
Hier ein Beispielbild, aufgenommen mit dem Lumix G Vario 2.8/35–100, 35 mm, 1/20 sec, f 2.8, ISO 6400. Je nach Abbildungsgrösse macht sich das Bildrauschen unter Umständen störend bemerkbar. Klicken Sie auf das Bild für eine 1:1-Ansicht (Bild geht in einem separaten Fenster auf. Durch Klicken auf das Bild erhalten Sie eine 1:1-Ansicht):


Zurück zum Filmen: Die 4K-Aufzeichnung funktioniert nur, wenn man über das Einstellrad den Filmmodus angewählt hat. Drückt man einfach auf den roten Filmaufnahmeknopf, wird nur in HD aufgezeichnet. Das ist etwas störend, und bei all den vielen Menufunktionen und individuell belegbaren Funtionstasten könnte Panasonic hier sicher noch anbieten, dass man im Menu wählen kann, ob beim Druck auf die Aufnahmetaste in HD oder 4K aufgezeichnet werden soll. In 4K geht’s auch nur bis zu 30p bei 100 Mbit/s. 50p geht nur mit HD-Auflösung, doch das ist meines Erachtens ein Kompromiss, der wohl wegen der Datenmenge, die bei 4K 50p auf die Kamera einprasseln würde, gemacht werden muss.

Etwas belächelt habe ich – das muss ich zu meiner Schande gestehen – den eingebauten Blitz bei der GH4. Doch ich schüttete dann irgendwann Asche auf mein Haupt. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.


Menschen fotografieren

Wenn meine Frau Ursula und ich Menschen fotografieren, fragen wir grundsätzlich immer. Versteckte Streetfotografie mit langen Brennweiten liegt mir nicht. Ich muss auf Tuchfühlung mit den Menschen gehen. Während unserer Reportage in Indien haben wir selten eine Absage erhalten, wenn wir höflich gefragt haben, ob wir ein paar Aufnahmen machen dürfen. Dabei verweilen wir gerne bei den Leuten – eine Viertelstunde, eine halbe Stunde. Nach einigen Minuten vergessen die Menschen, dass wir anwesend sind, und nach ein paar geposten Aufnahmen können wir ganz natürliche Fotos und Clips realisieren. Nebst den Shootings im Waisenhaus sind wir auch in den Strassen unterwegs. Mit den einheimischen Mitarbeitern des Waisenhauses kommen wir an Orte, wo die Menschen vorher wohl kaum schon einmal einen Europäer gesehen haben. Dementsprechend gross ist manchmal der Rummel um uns. Wir versuchen, uns möglichst diskret zu bewegen und das Equipment klein zu halten. Auch hier spielt die GH4 ihre Stärken wieder voll aus. Und dann stehe ich eben plötzlich vor so einem kleinen «Bretterbudenlädeli» und möchte ein Foto von der Verkäuferin in ihrem kleinen Karbäuschen machen. Einen Blitz habe ich nicht dabei, da ich in der Reportagefotografie wenn immer möglich darauf verzichte. Aber hier wäre ein kleiner Aufhellblitz – oh, hat die GH4 nicht einen eingebauten Blitz – ... und schon bin ich wieder ein wenig glücklicher mit der «eierlegenden Wollmilchsau GH4» ;-). 


Der Aufhellblitz im Einsatz. Das kleine Ding machte den Unterschied und brachte das nowendige Quentchen Licht ins Bild.
Aufgenommen wurde es mit dem Lumix G Vario 4.0/7–14, 7 mm, 1/200 sec, f 13, ISO 200. Hier sehen Sie, wie das Foto entstand:


Nach dem Dreh im Waisenhaus in Vijayawada hängen wir noch zwei Tage in Delhi an, wo wir uns auf die engen Gassen von Old Delhi, einem der dichtest bevölkerten Orte auf unserem Planeten, konzentrieren. Wir sind stundenlang zu Fuss unterwegs, weil wir der Ansicht sind, dass wir nur so Fotosituationen wirklich wahrnehmen können. Dass Ursula noch diverse Kleinigkeiten einkaufen will, kommt mir sehr zugute. Während sie mit den Händlern feilscht, stelle ich mit irgendwo hin und warte auf ein passendes Motiv. So entsteht der eine oder andere Schnappschuss, den sie übrigens an der Photo Münsingen ausgestellt sehen werden. 


Einige Fotos, die wir mit der GH4 realisiert haben. Wenn Sie mit dem Mauszeiger über das Bild fahren, erscheinen links unten die technischen Daten der jeweiligen Aufnahme:

Und dann noch eine Minute mit Filmimpressionen eintauchen in die Atmosphäre von Old Delhi. Impressionen, untermalt mit Sebastian Bachs genialer Musik: 

Ursula im Einsatz in den Strassen von Alt Delhi:


4K und seine Folgen

Wer in 4K filmt, möchte entweder beim Editieren in HD Reserve zum Croppen seiner Aufnahmen haben oder er/sie gedenkt, die Aufnahmen auf einem 4K-Bildschirm zu zeigen. Es kann also durchaus sein, dass der Kauf einer GH4 noch weitere Investitionen nach sich zieht ... Ich spreche aus Erfahrung, denn wir mussten einen neuen Computer kaufen, da die bestehende Maschine, dreijährig, die 4K-Videos nicht ruckelfrei bearbeiten konnte. Apple hat den Trend zu höherer Auflösung ja bereits erkannt, und so steht jetzt ein neuer iMac mit 5K-Monitor auf meinem Pult. Mit Premiere bin ich daran, den Film zu schneiden, was auch in 4K flüssig geht. Einzig wenn ich meine Clips in Lightroom ansehen möchte, kann ich nach dem Aufrufen einer Bibliothek Kaffee machen gehen, bis sich die Previews der einzelnen Clips aufgebaut haben. Aber eben – wenn ein Rechner so dreissig bis fünfzig 4K-Clips darstellen muss, sollte man etwas gnädig mit ihm sein ...


Wie es sich gehört, gibt es aus ein kleines Making-of-Filmchen – schliesslich waren wir ja mit einer sehr interessanten 4K-Kamera unterwegs ...: 


Fazit

Die Panasonic GH4 hat dank ihrer Kompaktheit, ihren hervorragenden Videofunktionen und der 4K-Fähigkeit zur Zeit fast so etwas wie eine Alleinstellung im Markt. Dank dem attraktiven Objektivprogramm liefert die Kamera auch hervorragende Fotos, ausser es geht in die hohen ISO-Gefilde. Das 4.0/7–14 mm ist exzellent. Noch einen Tick schärfer scheinen mir das 2.8/12–35 mm (entspricht einem Vollformat 24–70er) und natürlich die Leica-Festbrennweiten. Ebenfalls interessant ist sicher das 2.8/35–100mm, das wir auch dabei hatten, aber weniger einsetzten als gedacht. Deshalb kann ich zu diesem Telezoom keine Beurteilung abgeben.

Es gibt noch die Sony a7S, die in eine ähnliche Richtung zielt. Sie hat einen Vollformatsensor, aber leider nur 12 Megapixel Fotoauflösung mit auf den Weg bekommen. Zudem ist die 4K-Aufzeichnung nur mit einem externen Recorder möglich, was die Flexibilität meines Erachtens doch einschränkt. Da ich die a7S noch nicht getestet habe, kann ich mir kein Urteil über die Detailfunktionen der beiden Kameras im Vergleich erlauben. Ich denke aber, dass die GH4 mit ihren umfassenden Funktionen und dem Touchscreen in punkto Einfachheit und Bedienungskomfort punkten wird, während die a7S bei Aufnahmen in den hohen ISO-Bereichen die klare Nummer 1 ist – nicht nur im Vergleich mit der Panasonic GH4 sondern generell.

Auf jeden Fall würden wir bei einem ähnlichen Projekt wie dem Waisenhausfilm wieder auf die Panasonic GH4 setzen. Sie hat meine Erwartungen erfüllt und da und dort sogar übertroffen. Wer 4K filmen möchte und sich beim Fotografieren nicht in allzu hohe ISO-Gefilde vorwagen muss, bekommt mit der GH4 eine hervorragende Kamera. 

Ich bin sicher, dass weitere Anbieter Kameras in dieser Richtung auf den Markt bringen werden. In zwei bis drei Jahren wird 4K Standard sein. Gut möglich, dass Panasonic dann bei 6K oder 8K mit einer GH6 oder GH8 der Konkurrenz wieder eine Nasenlänge voraus sein wird. Man darf gespannt sein.

 

Peter Schäublin
Konzepter, Grafiker, Texter und Fotograf, 
Inhaber des Werbe- und Grafikateliers 720 Grad GmbH.
www.720.ch


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