Blog

Im Blog von Peter und Ursula Schäublin berichten wir von Aktualitäten rund um unser Grafikatelier 720 Grad, über Fotografie und Film, Kajaken und weitere Aktivitäten.

Interview mit Peter Schäublin im «Rede mitenand»

 


Das Schweizerische Weisse Kreuz (SWK) begegnet und unterstützt Menschen in Fragen zu Sexualität, Beziehungen und dem Elternwerden und -sein. Wir dürfen seit vielen Jahren die Drucksachen für das SWK gestalten, unter anderem auch das «Rede mitenand», eine vierteljährlich erscheinende Zeitschrift zu aktuellen Lebensthemen.

In der letzten Ausgabe zum Thema «So bin ich» wurden Portraits von Menschen mit einer speziellen Geschichte veröffentlicht. Es hat mich sehr gefreut, dass das SWK für diese Ausgabe ein Interview mit mir geführt hat:

 

Peter Schäublin erzählt von seinem Werdegang, seiner Berufung, dem Entdecken seiner künstlerischen Ader.

Zuerst etwas vorab, was mir sehr wichtig ist: Ich habe in meinem Leben oft den Kopf angeschlagen – symbolisch und wegen meinen beinahe zwei Metern Körpergrösse auch reell – bin gescheitert und verstehe längst nicht alles. Ich bin weder ein Vorzeigechrist noch ein Übermensch. In allem versuchte ich, authentisch zu sein. Zudem wurde ich von meinen Eltern in meinen manchmal etwas verrückten Unterfangen stets unterstützt und gefördert. «Du kannst das schaffen», vermittelten sie mir, und wenn mal etwas in die Hose ging, machten sie kein Drama draus. Zeichnen, organisieren und schauspielern waren wohl meine grossen Leidenschaften als Kind.

 

Ich wurde von meinen Eltern in meinen manchmal etwas verrückten Unterfangen stets unterstützt und gefördert. «Du kannst das schaffen», vermittelten sie mir, und wenn mal etwas in die Hose ging, machten sie kein Drama draus.


 

Als ich 12 Jahre alt war, schenkte mir mein Vater eine Kamera, weil ich das Fotografieren entdecken wollte. Für mich ging eine neue Welt auf – ich machte Bilder und teilte sie danach mit anderen, inklusive den Geschichten, die ich dazu erzählte. Diese Kombination aus Wort, Bild und Gestaltung fasziniert mich bis heute. Allerdings machte ich beruflich einen Umweg: Zuerst absolvierte ich eine kaufmännische Ausbildung, arbeitete dann in einer christlichen Organisation in der Buchhaltungsabteilung und wechselte später in die Medienabteilung, wo meine Begabungen gefördert wurden. 1995 wagte ich – nach einer Anstellung in einer Kamerafirma und in einer Werbeagentur – den Schritt in die Selbständigkeit und gründete mein eigenes Atelier für visuelle Kommunikation. 


Was machst du in deinem Beruf sehr gerne?

Unsere Kunden kommen ja mit konkreten Anfragen zu uns. Sie möchten eine Botschaft visualisieren, ihr Unternehmen darstellen, ein Produkt oder eine Dienstleistung vermarkten. Damit verbunden ist die Herausforderung, die richtigen Tools und eine stimmige Umsetzung in Grafik, Bild und Text zu entwickeln. Diesen Entwicklungsprozess empfinde ich als etwas vom Spannendsten in meinem Beruf, ebenso wie die Umsetzung. Ich freue mich besonders, wenn unsere Arbeit dazu beiträgt, dass anderen Menschen direkt oder indirekt geholfen wird.


 

Foto: Ursula Schäublin

 


Wie lebst du deine Leidenschaft?

Ein Bekannter hat einmal gesagt, dass Picasso auch nicht am Morgen um acht in sein Atelier ging und dann um fünf Schluss machte. Nun – ich bin nicht Picasso, aber wenn Beruf Hobby und Hobby Beruf und alles zusammen vielleicht Berufung ist, dann gibt es keinen «9to5»-Job. Genauso wie ich versuche, permanent mit meinem Schöpfer im inneren Dialog zu sein, bin ich – bewusst oder unbewusst – immer am Beobachten, am Aufsaugen von Eindrücken, am Sammeln von Ideen. Dann kann es schon mal sein, dass ich während des Abendessens plötzlich einen Geistesblitz habe und diesen festhalten muss. Das erfordert zumindest Verständnis vom nahen Umfeld. Ich bin in der glücklichen Lage, dass mich meine Frau Ursula darin sogar unterstützt. Wenn ich eine Idee habe, kann ich sie fast jederzeit mit ihr teilen, und sie gibt mir Feedbacks und Anregungen. Sie ist meine härteste Kritikerin und zugleich mein grösster Fan.


Als Grafiker und Fotograf bist du auch einem Konkurrenz- und Mediendruck ausgesetzt. Wie gehst du damit um?

Da habe ich einiges an innerem Weg zurückgelegt. Ich bin der Überzeugung, dass unsere Lebensumstände immer dazu dienen, unsere Beziehung zu Gott zu vertiefen. Wenn man Aufträge an Mitbewerber verliert, ist das immer schmerzlich. Es ist hilfreich zu erkennen, dass es anderen auch so geht. Wenn ich einen Auftrag bekomme, verliert ihn ein anderer. Bekommt ein anderer den Auftrag, verliere ich ihn. Sehr schmerzlich wird es, wenn man einem Kunden zu einem Schritt wie etwa einem neuen Logo rät und man dann Monate später sieht, dass er den Ball aufgenommen, aber eine andere Agentur mit der Umsetzung beauftragt hat.

 

Ich bin der Überzeugung, dass unsere Lebensumstände immer dazu dienen, unsere Beziehung zu Gott zu vertiefen.


 

Im inneren Zwiegespräch mit Gott wurde mir in diesen Prozessen klar, dass er mich versorgt und dass er besser weiss als ich, was dran ist. So erhielt ich beispielsweise anfangs Jahr den Zuschlag für einen grossen Fotoauftrag nicht. Das wurmte mich sehr. Dann kam wieder diese feine innere Stimme, die mich leitete, den Frust loszulassen. Aktiv sprach ich Gott mein Vertrauen aus. Danach erhielten wir so viele andere Aufträge, dass ich es unmöglich geschafft hätte, diesen grossen Fotojob auch noch auszuführen. 


Was hebt dich von anderen in deiner Branche ab? Was macht dich, 720.ch, einzigartig?

Fachlich bieten wir als kleine Agentur ein relativ grosses Spektrum an Dienstleistungen an. Das hat für den Kunden den Vorteil, dass er auch breiter gefächerte Projekte mit einer Person abwickeln kann und sich nicht mit mehreren Ansprechpersonen «herumschlagen» muss. Das führt zu mehr Effizienz und dadurch zu einem sehr guten Preis-/Leistungsverhältnis. 

 

Ich versuche, immer offen zu sein für Neues, ohne aber gleich jedem neuen Trend hinterher zu hecheln – sozusagen jugendliche Neugier mit reifer Abgeklärtheit zu kombinieren.


 

Grafiker und Agenturen tauchen oft und schnell auf dem Markt auf und verschwinden manchmal auch wieder sehr plötzlich. Mit meiner kleinen Firma bin ich nun doch schon seit über 20 Jahren auf dem Markt. In dieser Zeit habe ich viel Wissen und ein grosses Netzwerk aufgebaut. Auch das kommt unseren Kunden zugute.

 

Wir müssen einen Weg finden, unseren Glauben an den immer gleichbleibenden Gott in stetig wechselndem Umfeld zu leben. Nicht immer ganz einfach, manchmal spannungsvoll, aber immer spannend.


 

Zudem versuche ich, immer offen zu sein für Neues, ohne aber gleich jedem neuen Trend hinterher zu hecheln – sozusagen jugendliche Neugier mit reifer Abgeklärtheit zu kombinieren. Diese Kombination wünsche ich mir, aber auch meinen Mitmenschen in ihrer Berufung, ihrem Leben, ihrem Unterwegssein mit Gott. Auch da kommen und gehen ja Trends und neue Wellen, und wir müssen einen Weg finden, unseren Glauben an den immer gleichbleibenden Gott in stetig wechselndem Umfeld zu leben. Nicht immer ganz einfach, manchmal spannungsvoll, aber immer spannend.