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Im Blog von Peter und Ursula Schäublin berichten wir von Aktualitäten rund um unser Grafikatelier 720 Grad, über Fotografie und Film, Kajaken und weitere Aktivitäten.

Panasonic GH5 – ein erster Test- und Erfahrungsbericht

 

Ist die Panasonic GH5 eine Film- oder Fotokamera?
Die Antwort darauf ist eindeutig «Ja».

Mein Abenteuer mit der GH5 begann eigentlich schon im Dezember 2014, als meine Frau Ursula und ich einen Film über ein Waisenhaus in Indien drehten. Um nicht gross aufzufallen und um uns möglichst flexibel bewegen zu können, wollten wir mit kompaktem Equipment filmen, aber gleichzeitig die Möglichkeit haben, auch Fotos zu realisieren. Die berühmte eierlegende Wollmilchsau eben. Die Panasonic GH4 mit den dazugehörigen Objektiven schien uns damals das bestgeeignete System zu sein, und wir wurden nicht enttäuscht. Die GH4 filmte in 4K, realisierte Fotos mit 18 Megapixeln in beeindruckender Qualität und funktionierte in allen Bedingungen einwandfrei. Als wir Panasonic die GH4 zurückgaben, war unser Feedback bis auf zwei kleine Punkte rundum positiv. Doch dazu später mehr.

Der Miniclip «A taste of Old Delhi» zeigt einige 4K-Impressionen, die Ursula und ich 2014 in Indien mit der GH4 eingefangen haben.


Video nimmt an Bedeutung zu

Dies weil die Internet-Übertragungsraten immer höher werden. Filme können in Websites eingebaut und problemlos gestreamt werden. Das hat dazu geführt, dass sogar Bildhintergründe auf Websites immer mehr durch Videos ersetzt werden. Dieser Trend wird sich weiter verstärken. Panasonic hat dies früh erkannt und schon vor einiger Zeit auf Kameras gesetzt, die hybrid sind, was in diesem Fall bedeutet, dass sie sowohl Fotos aufnehmen wie auch filmen können. 

Die ersten hybriden Kameras waren ja noch DSLR’s. Meines Erachtens waren das jedoch eindeutig Fotokameras, die auch noch filmen konnten. Der Autofokus funktionierte im Filmmodus nicht richtig, und das manuelle Fokussieren auf dem kleinen Kamerarückseiten-Screen war (und ist nach wie vor) sehr schwierig. 

Mit den elektronischen Suchern (EVF für Electronic View Finder) hat sich die Situation grundsätzlich verändert: Damit ist es möglich, eine echte Hybridkamera zu konstruieren, die nicht nur im Fotobereich sondern auch im Videobereich richtig gut zu bedienen ist, denn ein EVF ermöglicht es, während dem Filmen durch den Sucher zu blicken. Auf dem grossen Sucherbild der GH5 mit 3.6 Millionen Bildpunkten kann ich während dem Filmen das Bild komponieren und fokussieren. Mit Focuspeaking-Unterstützung geht das sogar manuell richtig gut. Weil in der GH5 der Kamera- und der Objektivbildstabilisator kombiniert werden können, kann man mit der Kamera und einer Optik mit Bildstabilisator so richtig «quick and dirty» filmen. Unfreiwillig machen meine Frau Ursula und ich die Probe aufs Exempel:


Kitchen Party in der Taverne zum Schäfli

Samstagmorgen, 9 Uhr: Der Expresspostbote läutet und bringt mir ein Vorserienmodell der GH5 mit dem Leica Lumix DG Elmarit 12–60mm / F2.8–4.0 ASPH O.I.S. (lassen Sie sich den Objektivnamen auf der Zunge zergehen ...). Ich arbeite mich im Blitztempo in die Kamera ein. Es ist alles sehr logisch, und die englische Gebrauchsanweisung brauche ich nur für einige Spezialfunktionen wie z.B. Focusstacking. Die Navigation durch die Menus ist meines Erachtens logisch geglie­dert, aber durch die vielen Funktionen ziemlich umfangreich geworden. Gut, dass ein schlaues Kerlchen bei Panasonic noch einen Menureiter eingeführt hat, unter dem man seine Favoritenfunktionen gesammelt abspeichern kann. Ich lege zwei oder drei Funktionen, die mir persönlich wichtig sind, unter diesem Reiter ab. Das schlaue Kerlchen hat dann noch einen Schritt weitergedacht: Sie können Ihre ganz persönlichen GH5-Settings exportieren und auf einer anderen GH5 importieren. Wenn Ihnen Ihr Freund für einen Dreh seine GH5 ausleiht, können Sie so ruckzuck zwei Kameras mit identischen Settings versehen. Weisen Sie Ihren Freund allerdings an, dass er seine Settings vorher ebenfalls auf einer SD-Karte speichert, sonst ist's vorbei mit der Freundschaft ...

BILD // Taverne zum Schäfli in Wigoltingen
AUFNAHME // Vorserienmodell der Panasonic GH5, mit dem Leica Lumix DG Elmarit 12–60mm / F2.8–4.0 ASPH O.I.S auf 12 mm // 1/20 sec. // f 2.8 // 3200 ISO // vorhandenes Licht // ohne Stativ
POSTPRODUCTION // Leichte Rauschreduzierung in Lightroom
KOMMENTAR // Das Rauschverhalten der GH5 in höheren ISO-Werten hat sich gegenüber der GH4 markant verbessert.

(Sie können alle Bilder in diesem Artikel durch Anklicken vergrössert ansehen. Die Daten wurden für optimale Darstellung im Internet auf 2500 Px heruntergerechnet und für die Ansicht auf dem Bildschirm nachgeschärft)


Am Nachmittag fahren meine Frau Ursula und ich los. In der Taverne zum Schäfli in Wigoltingen findet eine Kitchen Party statt, an der man den Spitzenköchen über die Schulter schauen kann. Wir sind zum ersten Mal dabei, und vor meinem inneren Auge stelle ich mir ein kleines Grüppchen vor, das den Köchen andächtig beim Zubereiten der Speisen zuschaut, dann wieder mal etwas isst, wieder schaut, wieder isst usw. Ich habe sowohl mein Dreibein- als auch mein Einbeinstativ dabei, damit ich richtig schön filmen kann.

Im Schäfli angekommen stellt sich dann heraus, dass – Sie haben das sicher auch schon erlebt – alles ganz anders ist als gedacht. Fünf Köche kochen live an Kochinseln, etwa hundert Gäste wuseln herum, schwierige Lichtverhältnisse, Popmusik wummert aus den Lautsprechern, alle sind gut drauf. Es ist eng und heiss, und an ein geordnetes Filmen mit Stativ ist nicht zu denken. Die GH5 und ich werden voll ins Wasser geworfen, aber wir packen den Challenge gemeinsam: Ich filme alles – eben quick and dirty– aus der Hand, Bildstabilisator und Autofokus sind aufs höchste gefordert. Natürlich geniessen wir zwischendurch auch die exzellenten Speisen und ein paar erlesene Tropfen aus dem Schäfli-Weinkeller. Ich filme alles 25P in 4K, dazu ein paar Sequenzen in HD mit 180 Bildern/Sekunde. Zwischendurch fotografiere ich die Speisen im Fotomodus. Die GH5 performt in beiden Bereichen. 

Am Sonntagmorgen schaue ich die Aufnahmen an und bin vom Resultat sehr beeindruckt. Die Clips sind schön smooth. Allerdings stelle ich in den Blautönen noch einiges an Artefakten und beim Autofokus noch ein paar kleine Unzulänglichkeiten fest. Eine Rückfrage bei Panasonic bestätigt meine Vermutung, dass diese Vorserienkamera firmwaretechnisch noch nicht final ausgereift ist. Bitte berücksichtigen Sie dies, wenn Sie den Clip ansehen.

TESTFILM // Kitchen Party in 4K, realisiert mit dem Vorserienmodell der Panasonic GH5:


Bei den Bildern merkt man, dass Panasonic den 20 Megapixel-Sensor ohne Tiefpassfilter auf die Strecke schickt. Dadurch liefert die GH5 knackig scharfe und detailgetreue Fotos. Ich will wissen, wo das Limit der Files liegt und entwickle ich aus dem RAW-File eine Datei, die ich auf 140 x 100 cm grosses Papier printe. Stark. Kaum jemand wird grössere Formate drucken ;-). Natürlich ist klar – das sei nicht verschwiegen –, dass für einen so grossen Print die Daten mit viel Liebe und Sorgfalt behandelt werden wollen. Aber es geht, und das finde ich für eine Micro Four Thirds Kamera eine starke Leistung.

BILD // Food Art an der Kitchen Party
AUFNAHME // Vorserienmodell der Panasonic GH5, mit dem Leica Lumix DG Elmarit 12–60mm / F2.8–4.0 ASPH O.I.S auf 48 mm // 1/125 sec. // f 3.9 // 320 ISO // vorhandenes Licht // ohne Stativ
POSTPRODUCTION // Leichtes Nachschärfen
KOMMENTAR //Grossartige Detailwiedergabe


Nach der Kitchen Party ist klar: Wer eine Kamera braucht, die auch in schwierigen Situationen sehr schöne Filmresultate und knackige Stills liefert, hat in der GH5 ein grossartiges Tool. Auch in höheren ISO-Bereichen liefert die GH5 – im Gegensatz zur GH4 – tolle Fotoresultate. Und damit war einer der zwei Vorbehalte, die mich davon abgehalten haben, eine GH4 zu ordern, ausgemerzt. Das Vorserienmodell muss wieder zurück zu Panasonic und ich bin gespannt auf die Serienausführung, die dann knapp zwei Wochen später eintrifft. Zeit für einen weiteren Clip ...


Wahre Freiheit

Mein Freund Marco ist nicht nur ein toller Kerl und ein grossartiger Fotograf, er fährt auch eine richtig schöne Harley. . Beste Voraussetzungen also, um mit ihm einen Film in 4K mit 50p zu drehen. Wir betten die Clips in eine kleine Story mit etwas Selbstironie ein. Am Samstag drehen wir die Fahrszenen und die Szenen in der Metzgerei. Am Sonntagabend filmen wir dann noch am Lagerfeuer. Wo es möglich ist, arbeite ich vom Stativ aus. Dank dem hervorragenden Bildstabilisator kann ich aber auch gut aus der Hand drehen. Die GH5 macht einem das Arbeiten wirklich leicht, und wir haben riesig Spass. Natürlich müssen Marco und seine Harley auch noch fotografisch ins beste Licht gerückt werden. Nebst dem 12–60er kann ich für dieses Shooting auch noch das Leica DG Noctiron 42.5 mm/ F1.2 ASPH / Power O.I.S. (kein Kommentar mehr von mir zu den Objektivnamen ...) einsetzen. Bewusst schiesse ich ein Portrait von Marco mit voll offener Blende. Die Linse liefert ein rattenscharfes Bild mit sehr schönem Bokeh. Mit diesem Objektiv und einigen weiteren sehr lichtstarken Festbrennweiten bietet sich die Möglichkeit, trotz einer Sensorgrösse von lediglich 17.3 x 13 mm mit kleinen Schärferäumen zu arbeiten. 

BILD // Marco
AUFNAHME // Panasonic GH5, mit dem Leica DG Noctiron 42.5 mm/ F1.2 ASPH / Power O.I.S. // 1/4000 sec. // f 1.2 // 200 ISO // vorhandenes Licht // ohne Stativ
POSTPRODUCTION // Leichtes Nachschärfen // Hautbearbeitung in Portrait Pro // sw-Umwandlung in Photoshop
KOMMENTAR // Für eine kleine Schärfenzone habe ich die Blende voll geöffnet. Das Noctiron liefert mit der GH5 selbst bei f 1.2 gestochen scharfe Bilder.


BILD // Marco mit Bushäuschen
AUFNAHME // Panasonic GH5, mit dem Leica Lumix DG Elmarit 12–60mm / F2.8–4.0 ASPH O.I.S auf 20 mm// 1/200 sec. // f 10 // 200 ISO // vorhandenes Licht plus Aufhellblitz // ohne Stativ
POSTPRODUCTION // Leichtes Nachschärfen // sw-Umwandlung in Lightroom


BILD // Rückspiegel von Marcos Harley
AUFNAHME // Panasonic GH5, mit dem Leica Lumix DG Elmarit 12–60mm / F2.8–4.0 ASPH O.I.S auf 36 mm// 1/500 sec. // f 3.9 // 200 ISO // vorhandenes Licht // ohne Stativ
POSTPRODUCTION // Leichtes Nachschärfen
KOMMENTAR // Dank der Naheinstellgrenze von 20 cm eröffnet das 12–60er auch den Makrobereich und ist so ein perfektes Universalobjektiv.


Hier noch ein kleiner, nachträglich eingefügter Filmclip mit 180 fps in Full HD.


Mit dem Noctiron drehen wir dann die letzten Szenen für den Movie nur mit dem Schein der Feuersglut. Ich bin beeindruckt. Das Schneiden in Pre­miere Pro geht flüssig. Um die Ästhetik zu steigern, wandle ich den ersten Teil des Clips in schwarzweiss um, und erst am Schluss kommt die Farbe ins Spiel. 

TESTFILM // Wahre Freiheit / True Freedom habe ich komplett mit dem Serienmodell der GH5 gedreht. Special thanks an alle Darsteller und auch an meine Frau Ursula, ohne die alle diese Projekte gar nicht möglich wären.


Der Stromverbrauch der GH5 scheint nicht übermässig hoch zu sein. Wir konnten den ganzen Dreh am Samstag problemlos mit einer Akkuladung realisieren. Ich empfehle trotzdem, gleich einen zweiten Akku mitzubestellen, denn:

  • Ein elektronischer Sucher zieht permanent Strom.
  • Filmen braucht mehr Strom als Fotografieren.
  • Die vielen elektonischen Helfer in der Kamera müssen auch mit Strom versorgt werden.
  • Die XLR-Einheit (mehr dazu später) läuft über den Kamera-Akku.

Es ist etwas vom Peinlichsten und Dümmsten, wenn mitten im Shooting der Saft ausgeht und kein Ersatzakku mit an Bord ist.


Etwas Fachchinesisch für die Video-Enthusiasten

Bis jetzt filmten Hybridkameras und DSLR’s intern mit 8 Bit Farbtiefe. Das reicht in der Regel auch, denn Kanäle wie beispielsweise Youtube zeigen die Filme auch nur mit dieser Farbtiefe. Mehr Farbnuancen und damit mehr Spielraum fürs Colorgrading bietet eine Farbtiefe von 10 Bit. Aufzeichnungen in dieser höheren Farbtiefe war bisher nur mit externen Zusatzdevices wie beispielsweise einem Atomos Assassin möglich. Die GH5 kann als erste kompakte Kamera intern mit 10 Bit Farbtiefe aufzeichnen. Zur Zeit geht das mit maximal 30 Bildern pro Sekunde. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass dann schon ziemlich viel Daten auf Ihren Rechner zukommen. Eine Minute Filmmaterial in 4K mit 25 Bildern/Sekunde und 10 Bit Farbtiefe schlägt mit 1.15 Gigabytes auf der Festplatte ein. Zur Bearbeitung dieser Files benötigen Sie eine richtig schnelle Maschine. Panasonic hat bereits angekündigt, dass mit ihrem nächsten Firmware-Upgrade sogar 60 Bilder pro Sekunde in 4K mit 10 Bit möglich sein werden. Der Flaschenhals, der das zur Zeit noch verunmöglicht, ist nicht die Kamera, sondern die SD-Karte. Mitte Jahr soll eine neue SD-Kartengeneration auf den Markt kommen, die schnell genug ist, um 60p/4K mit 10 Bit aufzunehmen. Allerdings bezweifle ich, dass ich diese Files noch mit meinem top ausgerüsteten iMac schneiden kann. Dafür wird dann wohl ein aufgebohrter Mac Pro oder ein entsprechend aufgemotzter Windows-Rechner nötig sein.

Für die Slomo-Fans liefert die GH5 in HD bis zu 180 Bildern pro Sekunde. In meinem Kitchen-Party-Video finden Sie ab 2:54 Min. eine 180fps-Slow-Motion Sequenz.

Für einen Aufpreis offeriert Panasonic auch ein VLog-Profil, mit dem ein Dynamikumfang von rund 12 Blendenstufen möglich ist. Ich habe es vor wenigen Tagen erhalten, aber noch keine Erfahrungen damit sammeln können. Zudem würde es den Umfang dieses Artikels sprengen, detailliert auf VLog einzugehen. Ich werde versuchen, zu einem späteren Zeitpunkt einen Bericht dazu publizieren – schauen Sie auf meinem Blog vorbei, abonnieren Sie meinen Newsletter oder meinen Youtube-Kanal, damit Sie diese Infos nicht verpassen.

Auto-ISO beim Filmen funktioniert mit der GH5 wunderbar smooth. In «Wahre Freiheit» finden Sie ein Beispiel dafür ab 1:11 bis 1:35.

Immer ein Thema beim Filmen ist auch der Autofokus. Ich für mich arbeite beim Filmen wenn immer möglich mit manuellem Fokussieren. Auf Youtube gibt es tonnenweise Clips, die die Autofokusfähigkeit der GH5 dokumentieren. Je nach Objektiv und Motiv müssen die Autofokus-Settings individuell angepasst werden. In den Youtube Clips finden Sie dafür viele wertvolle Tipps. 

Ein neues Feature bei der GH5 ist das Focuspulling. Damit lassen sich bis zu drei Entfernungen vorher manuell anwählen und dann während dem Dreh abfahren. Das war bis jetzt nur manuell möglich, und Panasonic bietet hier ein echtes Schmankerl für Video-Enthusiasten. Hugh Brownstone hat die Funktion auf Youtube dokumentiert: 

FOCUS PULLING // Screenshot aus Hugh Brownstones Video, in dem er das Focus Pulling erklärt. Die Funktion ist dann sinnvoll, wenn Sie eine Szene planen und die Pulls vorher exakt definieren und eingeben können oder wenn Sie etwas filmen, das sich nicht wegbewegt. Klicken Sie auf das Bild, um das Video anszusehen.


Dass die GH5 Timelapse an Bord hat, erwähne ich gar nicht mehr. Das gehört ja bei neuen Kameras dieser Art unterdessen zum Standard. Detailinfos und Beispielvideos gibt's auch dazu auf Youtube.


Die GH5 wird zur ständigen Begleiterin

Ich printe Marcos Portrait in schwarzweiss mit meinem HP Designjet Z3200ps auf Hahnemühle Photo Rag, wieder auf einen Helgen von 100 x 140 cm. Das Resultat haut selbst den stärksten Harleyfahrer um. Beeindruckend. Natürlich sollten diejenigen, die printtechnisch so Grosses vorhaben, sich nicht die billigsten Objektive zur GH5 kaufen. Aber eben – es gibt ja sogar Leica-Objektive zur GH5, die dann einen Tick besser sind, was man bei grossen Prints sieht.

Ermutigt durch die hervorragende Qualität ziehe ich weitere Shootings mit der GH5 durch – Carmen frühmorgens auf dem Rhein, Jeff im Studio, Veronikas stylishes Wohnzimmer. Ich muss mir eingestehen, dass die Qualitätsunterschiede zu einer Vollformat-DSLR um einiges kleiner geworden sind. Interessant ist übrigens, dass die Schöpfer der GH5 dem neuen Modell im Gegensatz zur GH4 keinen eingebauten Blitz mehr mitgegeben haben. Aus irgendeinem Grund musste er weichen. Gut aber, dass die GH5 einen Anschluss für Blitzkabel hat. So kann sie auch einmal im Studio oder on location mit einer professionellen Blitzanlage eingesetzt werden. Seit es batteriebetriebene Mini-Blitzkraftwerke wie den Profoto B2 gibt, ist diese Verbindungsmöglichkeit auf jeden Fall auch für eine Kamera in der Art der GH5 sehr sinnvoll.

BILD // Carmen, Portrait
AUFNAHME // Panasonic GH5, mit dem Leica Lumix DG Elmarit 12–60mm / F2.8–4.0 ASPH O.I.S auf 50 mm // 1/250 sec. // f 4.5 // 200 ISO // vorhandenes Licht // ohne Stativ aus dem Kayak
POSTPRODUCTION // Hintergrund etwas aufhellen // Gesichtsbearbeitung in Portrait Pro


BILD // Carmen im Kayak
AUFNAHME // Panasonic GH5, mit dem Leica Lumix DG Elmarit 12–60mm / F2.8–4.0 ASPH O.I.S auf 60 mm// 1/400 sec. // f 4.0 // 200 ISO // vorhandenes Licht // ohne Stativ aus dem Kayak
POSTPRODUCTION // Leichtes Nachschärfen und Abdunkeln
KOMMENTAR // Dank AF-C und der hohen Bildrate lassen sich sehr schöne Sequenzen von Menschen oder Tieren in Bewegung realisieren. Ich hatte keine einzige unscharfe Aufnahme in dieser Serie.


BILD // Jeff
AUFNAHME // Panasonic GH5, mit dem Leica DG Noctiron 42.5 mm/ F1.2 ASPH / Power O.I.S. // 1/250 sec. // f 16 // 200 ISO // Studioblitz // ohne Stativ
POSTPRODUCTION // leichtes Nachschärfen // Hintergrund noch komplett schwärzen
KOMMENTAR // Die Qualität dieses Bildes ist extrem hoch. Toll, dass die GH5 einen Anschluss für Studioblitzanlagen mit auf den Weg bekommen hat.


BILD // Magnolien
AUFNAHME // Panasonic GH5, mit dem Leica DG Vario Elmar 100–400mm / F4.0–6.3 ASPH Power O.I.S auf 132 mm// 1/100 sec. // f 8.0 //  200 ISO // vorhandenes Licht // ohne Stativ
POSTPRODUCTION // Klarheit in Lightroom erhöht // Flecken auf Blüten teilweise entfernt
KOMMENTAR // Die kombinierten Bildstabilisatoren in der Kamera und am Objektiv ermöglichen auch längere Verschlusszeiten ohne Verwackeln.


BILD // Haubentaucher mit Frühlingsgefühlen
AUFNAHME // Panasonic GH5, mit dem Leica DG Vario Elmar 100–400mm / F4.0–6.3 ASPH Power O.I.S auf 400mm// 1/800 sec. // f 9.0 // 250 ISO // vorhandenes Licht // aus dem Kayak
POSTPRODUCTION // Leichtes Nachschärfen
KOMMENTAR // Ob Studio oder Outdoor, die GH5 liefert zuverlässig ... Das neue Gehäuse soll gegen Witterungseinflüsse sehr resistent sein. Ich konnte dies in den zwei Wochen, in denen ich mit der Kamera bereits gearbeitet habe, noch nicht verifizieren, gehe aber davon aus, dass die GH5 hart im Nehmen ist.


BILD // Lifestylereportage bei Veronika
AUFNAHME // Panasonic GH5, mit dem Leica Lumix DG Elmarit 12–60mm / F2.8–4.0 ASPH O.I.S auf 16 mm// 1.3 sec. // f 13 // 200 ISO // vorhandenes Licht // Stativ
POSTPRODUCTION // Leichtes Nachschärfen // Teiltonung der Lichter und der Schatten


Zu analogen Zeiten fiel das Licht durchs Objektiv auf den Film, wurde dort festgehalten, und das war’s. Im digitalen Zeitalter folgt nach dem Bannen des Lichts auf den Sensor nochmals ein wichtiger Schritt, und zwar das Verrechnen der Daten. Jeder Hersteller hat da seine eigenen Kniffe und Tricks, die wahrscheinlich alle ähnlich und doch wieder ein bisschen anders sind. Panasonic hat es offenbar geschafft, die vom Sensor gelieferten Daten so zu verrechnen, dass die Nachteile des kleineren Sensors punkto Bildqualität zu einem grossen Teil eliminiert werden können. Der Qualitätsabstand zum Vollformatsensor ist deutlich kleiner geworden. Auch Bilder im hohen ISO-Bereich sehen unterdessen wesentlich besser aus. Natürlich gibt es Vollformatameras, die mit wenig Licht noch bessere Resultate liefern. Ich denke da vor allem an die Nikon D5, die Canon EOS 1DX und die Sony a7S. Diese Modelle sind jedoch meines Erachtens nicht so universell einsetzbar wie die Panasonic GH5. 

HOHE ISO-ZAHLEN // Stativ vergessen und wenig Licht? Die GH5 für eine Micro-Four-Thirds Kamera sehr hart im Nehmen. 
BILD // Aus Veronikas Lifestyle-Reportage
AUFNAHME // Panasonic GH5, mit dem Leica Lumix DG Elmarit 12–60mm / F2.8–4.0 ASPH O.I.S auf 20 mm// 1/15 sec. // f 3.3 // 2000 ISO // vorhandenes Licht // ohne Stativ
POSTPRODUCTION // leichtes Nachschärfen und Bildrauschen leicht reduzieren, beides in Lightroom
KOMMENTAR // Auch mit 2000 ISO liefert die GH5 Daten, die wesentlich mehr als nur brauchbar sind.


Nur Quick and Dirty?

Den zweiten kleinen Nachteil, den ich der GH4 vor gut zwei Jahren noch ankreidete, war das umständliche Andocken von XLR-Mikrofonen. Dafür wurde ein grosser Adapter benötigt, der auch noch separat mit Strom versorgt werden musste. Damals in Indien auf dem Feld war das keine praktikable Lösung, und wir zeichneten den Ton mit einem Zoom H6 auf. Das geht natürlich, aber wer schnell arbeiten muss und trotzdem eine gute Tonqualität benötigt, braucht dafür eine einfachere Lösung. Mit dem neuen XLR Mikrofonadapter DMW-XLR1 hat Panasonic diesen Mangel behoben. Einfach den Adapter auf den Blitzschuh stecken, XLR-Mikros anhängen, und der Ton kann in hoher Qualität gleich in der Kamera mit aufgenommen werden. Zusammen mit einem Wireless-Funkmikrofon entsteht so eine extrem kompakte Einheit, mit der beispielsweise Interviews schnell und trotzdem professionell aufgezeichnet werden können. Damit hat Panasonic meinen zweiten kleinen Vorbehalt, den ich bei der GH4 noch hatte, ausgeräumt. Und, Sie ahnen es bereits, damit war’s um mich geschehen: Ich habe die GH5 bestellt. Denn die Kamera kann nicht nur «Quick and Dirty», sie liefert so gute Video- und Bilddaten, dass ich sie in vielen Fällen für meine Aufträge und für freie Arbeiten einsetzen werde. Kamera und Objektive sind viel kleiner als vergleichbare DSLR-Ausrüstungen, was besonders dann angenehm ist, wenn man längere Strecken zu Fuss zurücklegen muss. Zudem habe ich ein Gerät dabei, das fotografiert und filmt und mich mit umfassender Elektronik bestmöglich unterstützt. Das mag für die Puristen nicht so sexy klingen, aber wer in jeder Situa­tion gutes Material erzeugen will oder gar muss, ist für die kleinen elektronischen Helferchen in der GH5 sehr dankbar.

BILD UND TON IN KOMPAKTER PERFEKTION // Mit dem optional erhältlichen XLR-Adapter und einer drahtlosen Mikrofoneinheit, z.B. von Sennheiser, wird die GH5 zur kompakten Aufnahmeeinheit, die Interviews in 4K mit sehr gutem Ton aufzeichnen kann.


Mit Focusstacking, 6K Foto (30 Bilder pro Sekunde mit 18 Megapixeln oder 60 Bilder pro Sekunde mit 8 Megapixeln) und Postfocus bietet die GH5 zudem noch einige Besonderheiten an, die ich bereits angetestet habe, aber noch vertiefter damit arbeiten muss, um mir ein umfassendes Bild zu machen. Beim Focusstacking und bei 6K-Foto zeichnet die einen 6K-Film auf. Aus den aufgezeichneten Bildern kann ich dann das perfekte Bild speichern oder eben die Kamera ein Bild mit grossem Schärferaum errechnen lassen. Allerdings funktioniert das nur als JPG und mit Verschlusszeiten, die 1/30 sec. resp. 1/60 sec. oder kürzer sind. Das ist so, weil die Bilder eben im Filmmodus mit 30 oder 60 Bildern pro Sekunde aufgezeichnet werden. Ein eventueller Rolling-Shutter-Effekt wird automatisch herausgerechnet. Der Bildprozessor optimiert die Bilder nachträglich. Dadurch sind in diesem Modus bessere Einzelbilder möglich, wie wenn man ein Einzelbild aus einem Movieclip herauszieht. Theoretisch könnte man so bereits in 6K filmen. Praktisch aber kommen die normalen Rechner und die Programme mit der Datenmenge von 6K-Clips nicht klar. Diese Features zeigen aber, wohin die Reise geht: Gut möglich, dass Panasonic in ein paar Jahren die GH6 präsentiert, die dann in 6K filmt und Focus­stacking und Postfocus in 8K verarbeiten kann ...

6K // Im Schnellmodus liefert die GH5 12 Bilder pro Sekunde. Das wird in den meisten Fällen reichen. Alternativ bietet die Kamera die Möglichkeit an, eine Sekunde lang in 6K (18 Mpx) 30 Bilder/Sekunde oder in 4K (8 Mpx) 60 Bilder/Sekunde aufzuzeichnen. Das funktioniert allerdings nur in JPG und mit einer Verschlusszeit von 1/30 resp. 1/60 Sekunde. Testhalber habe ich bei dieser Aufnahme im 6K-Fotomodus gearbeitet, um einige fliegende Tropfen mit ins Bild zu bekommen.

Von einer 6K-Datei lässt sich auf jeden Fall ein Print bis zu einer Grösse von 70 x 100 cm produzieren.


4K // Für den berühmten zerplatzenden Ballon brauchte ich die 60 Bilder/Sekunde, die der 4K-Bildmodus bietet. Ich habe mit 1/1250 Sekunde, Blende 7.1 und 320 ISO fotografiert. Natürlich ist die Datenmenge mit 8 Mega­pixeln deutlich geringer als bei 6K, aber für die Präsentation auf dem Web oder zum Einbau des Bildes in einen Film reicht es problemlos. Ich habe von diesem Foto einen 80 x 60 cm grossen Print erzeugt.


FOCUSSTACKING // Beide Bilder sind mit Blende 5.6 realisiert worden. Allerdings ist das obere Foto ein «single shot», d.h. eine einzige Aufnahme, währenddem das untere Bild aus 30 Aufnahmen mit verschiedenen Fokuspunkten in der Kamera zusammengesetzt worden ist. Durch das Focusstacking lassen sich auch unmögliche Schärferäume realisieren. Das geht in der GH5 mit 18 Megapixeln und nur in JPG-Qualität. Doch für die meisten Anwendungsbereiche ist das absolut ok.


Aus reiner Neugier habe ich dann die GH5 noch mit meinem iPad Pro verbunden. Mit der entsprechenden App von Panasonic lässt sich die Kamera vom Tablet aus steuern, man kann das Liveview-Bild aufs Tablet bringen und realisierte Bilder sofort drahtlos von der Kamera aufs iPad laden. Natürlich geht gleiches auch in Kommunikation mit einem Smartphone. Diese Funktion benötige ich nicht, aber wer’s braucht, wird happy sein, dass diese Brücke existiert.


Fazit

Mit der GH5 hat Panasonic meines Erachtens eine würdige Nachfolgerin der GH4 auf den Markt gebracht. Die Kamera ist extrem vielseitig und bietet wahnsinnig viel Qualität – sowohl im Film wie auch im Fotobereich. Die umfassende Objektivpalette ermöglicht es, je nach Bedarf eine massgeschneiderte kompakte Kameraausrüstung zusammenstellen. In diesem Artikel habe ich diejenigen Features beschrieben, die ich selbst eingesetzt habe und die mir sehr interessant scheinen. Die GH5 bietet so viele verschiedene Möglichkeiten, dass es den Rahmen dieses Artikels sprengen würde, auf alle einzugehen. 

selbstportrait von fotograf peter schäublin schaffhausen
 

Das Arbeiten mit der GH5 macht riesig Spass. Selbstportrait im Spiegel, mit Panasonic GH5, mit dem Leica Lumix DG Elmarit 12–60mm / F2.8–4.0 ASPH O.I.S auf 16 mm// 1/6 sec. // f 3.0 // 1000 ISO // vorhandenes Licht // ohne Stativ

 

Special thanks an alle, die geholfen haben, dass dieser Artikel zustande gekommen ist, besonders an Ursula, Christian und sein Team, Marco, Sebastian, Jeff, Carmen und Veronika.