Blog

Im Blog von Peter und Ursula Schäublin berichten wir von Aktualitäten rund um unser Grafikatelier 720 Grad, über Fotografie und Film, Kajaken und weitere Aktivitäten.

Kanadafeeling auf dem Rhein

 

Am 1. Mai war ich mit den beiden Sportstudentinnen Daniela Häner und Jemima Schmidt auf dem Rhein unterwegs. Sie hatten die Aufgabe, eine Sportart mit repetitivem Charakter auszuprobieren und zu beschreiben. Sie haben sich fürs Kajaken entschieden. Hier ihr Bericht:

Daniela

 Jemima

Jemima

Schaffhausen, Treffpunkt 09:00 Uhr beim Bootshaus. Kälte und Regen. Wir werden von einem motivierten und voll ausgerüsteten „Kajaker“ mit einem breiten Lächeln und dem Regenhut auf dem Kopf erwartet. Ziel, Holzbrücke Diessenhofen und zurück. 20 Kilometer.

Nach einer kurzen Einführung stürzen wir uns gespannt und etwas wackelig ins Rheinabendteuer. Es scheint, als ob sich heute kein Mensch aufs Wasser wagen würde, nur die Schwäne, Enten und Vögel begutachten unsere Paddelschläge flussaufwärts. Erst etwas unsicher, gewinnen wir jedoch schnell Selbstvertrauen und fühlen uns im Kajak richtig wohl. Plaudernd, mit lockeren Paddelschlägen und ein paar wenigen Kollisionen verbringen wir unsere ersten zwei Kilometer. Peter erzählt uns von seinen Kajaktouren in Südostalaska, die unsere Aufmerksamkeit in die Ferne lenkten, fast so als wären wir dabei gewesen. Der aufspringende Fisch war leider dann doch kein Wal.

Nach einer kurzen Verschnaufpause in der Hälfte der Strecke starten wir mit unserem Flow-Experiment. 3.5 km paddelnd, versinken wir in den eigenen Rhythmus. Zug um Zug nähern wir uns immer mehr dem Zustand der Selbstvergessenheit. Rhythmisch tauchen die Paddel ins Wasser ein, begleitet von Vogelgesängen. Nirgends ist man dem Wasser so nah wie im Kajak, was alleine schon eine beruhigende Wirkung hat. Ab und zu erfrischt uns ein Wasserspritzer. Die etwas trübe, aber ruhige Landschaft umhüllt uns, der Blick ist flussaufwärts gerichtet. Wir entdecken neu, wie schön es eigentlich sein kann, einfach nur zu sein. Die Stimmung untermalt unser Gefühl. Obwohl wir uns immer noch aufs Paddeln konzentrieren müssen, erleben wir ein Stück von diesem Flow-Erleben, das auch Peter beschreibt:

„Kajaken hat etwas Meditatives an sich. Ich finde einen Rhythmus und paddle immer im gleichen Takt. Oft stundenlang. Gedanken formen sich, werden zu Gebeten. Und manchmal erscheint eine Antwort vor meinem inneren Auge. Spricht der Schöpfer von Himmel und Erde tatsächlich gerade zu mir? Oder ist es nur Einbildung? Denke ich meine Gedanken oder seine? Kann es sein, dass dieser Buckelwal mir tatsächlich zum Abschied zuwinkt? Die Grenzen zwischen innerer und äussere Reise verschwimmen zusehends.“
Peter Schäublin, aus seinem Buch: der Ruf der Wale

Trotz der Anstrengung können wir uns einfach fallen lassen, der Alltagsstress fällt ab, wir sind inmitten des Naturgeschehens. Ob es regnet, schneit oder stürmt, das Wetter ist, wir sind. Die Stromschnellen unter der Brücke entreissen uns dem Flow. Plötzlich müssen wir uns wieder voll und ganz auf das Paddeln konzentrieren. Zwischen zwei Brückenpfeilern hindurch kämpfen wir gegen die Strömung an. Dieses Mänöver bringt uns zurück in die Realität, gleichzeitig sind wir froh, am Zwischenziel zu sein.

Flussaufwärts nach der Brücke wenden wir die Kajaks und lassen uns vom Fluss wieder abwärts treiben. Der Wind klatscht uns den einsetzenden Regen ins Gesicht, aber das stört uns in diesem vollkommenen Moment nicht. Sogar einen warmen Tee und Schokolade können wir uns auf dem Heimweg zu Gemüte führen. Plaudernd verabschieden wir uns von den schönen Morgenstunden auf dem Rhein.

Kleine Anmerkung meinerseits für die Fotofreaks: Alle Fotos sind mit der Leica SL mit dem 2.8-4.0/90–280mm und dem 1.4/50 mm entstanden.